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Gestatten: Zwei Wegbereiter der Kunst. Hinter den Kulissen setzen Marlies Wünscher, Professor Martin S. Fischer & Co. seit Jahren allerhand Hebel in Bewegung, um das Alte Straßenbahndepot in Jena immer wieder aufs Neue zu verzaubern.

Dieser Artikel ist eine Ausnahme. Denn an sich scheuen Dr. Barbara Happe und Prof. Martin S. Fischer das Hochglanzpapier. Das Ehepaar, das Kunstereignisse nach Jena holt, überlässt das Scheinwerferlicht den Künstlern. Auch der ARD-Bericht zur Frank-Stella-Ausstellung 2011 fand ohne das Duo statt. Den Tagesthemen-Teaser kennt Martin Fischer indes noch Jahre später auswendig: „Nicht in New York, nicht in London, sondern in einem Straßenbahndepot in Jena…“

Nicht in New York, nicht in London, sondern in einem Straßenbahndepot in Jena…

Im Alten Straßenbahndepot in Jena hat Kunst zuweilen Vorfahrt – wie hier zur großen ROTRAUT-Ausstellung im Frühjahr 2016.

Die Straßenbahn lässt der Kunst die Vorfahrt

Sie rumpelt aus der Halle, die Kehrmaschine zieht durch, die Kunst hält Einzug. Stella, der New Yorker Künstler, war hingerissen von diesem Ort, der nach Maschinenöl und Arbeit riecht, beleuchtet von der Sonne höchstselbst, weil die Oberlichter es hergeben. Er verbot es regelrecht, die Arbeitsspuren zu tilgen. Ihm folgten Peter Halley (2014) und ROTRAUT (2016), und alle strahlten weit über Thüringen hinaus.

Martin Fischer hat seine Vorlesung zu Wurmparasiten beendet

Kunstinteresse ist bei dem Biologieprofessor von Berufs wegen nicht vorgesehen, auch bei der Volkskundlerin Barbara Happe nicht. „Wir sind blutige Laien, aber Kunst ist unser Lebenselixier“, verweist Martin Fischer auf eine Art Schicksalspakt. „Kunst ist keine Frage der Betrachtung, sondern der Konfrontation. Künstler kehren ihr Innerstes nach außen. Eine direktere Ansprache lässt sich nicht denken“, konstatiert der Evolutionsbiologe.

Die Kunst hat bei Jenoptik einen Stammplatz

Den hat einst Lothar Späth angelegt und mit dem gesamten Corporate Sponsoring der Obhut von Marlies Wünscher anvertraut. „Auch Michael Mertin hat sich das Kunstengagement als Jenoptik-Chef auf die Fahne geschrieben“, resümiert sie, und daran seien die „Depotisten“, eine Handvoll Gleichgesinnter um das Ehepaar Happe/Fischer, nicht ganz unschuldig. Befragt nach seinen Einsichten erklärt Michael Mertin: „Die Kunst bringt uns mit anderen Welten in Berührung, sie öffnet den Blick über das Gewohnte hinaus.“

Marlies Wünscher (links) and Prof. Dr. Martin S. Fischer (rechts)

Wegbereiter der Kunst: Hinter den Kulissen setzen Marlies Wünscher, Professor Martin S. Fischer und Co. allerhand Hebel in Bewegung, um das Alte Straßenbahndepot in Jena immer wieder aufs Neue zu verzaubern.

Prof. Dr. Martin S. Fischer, Direktor des Instituts für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (rechts), und Marlies Wünscher, Leiterin Vorstandsbüro in Jena und verantwortlich für das kulturelle und soziale Engagement der Jenoptik.

Bei den Künstlern laufen die Fäden zusammen

Martin Fischer steckt Förderer an, damit die Kunst ihre Strahlkraft entfaltet – wie die Werkschau der deutsch-französischen Künstlerin ROTRAUT 2016: Skulpturen wie tänzerische Momentaufnahmen, die Anleihen an die Musik nehmen und das Publikum verzauberten. „Abgesehen von Hilfskraftgeldern ist alles privat finanziert und funktioniert ohne Apparat. Ohne Jenoptik bekämen wir das nicht hin“, ist er sich sicher. Barbara Happe und Martin Fischer haben bereits den nächsten Coup in petto. Die Depotisten arbeiten daran. Im Hintergrund.