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Gut beschirmt: Dr. Lüder Hogrefe koordiniert die deutschen Beiträge zum Patriot-Raketenabwehrsystem. Dazu zählt die Stromversorgung von Jenoptik, die im vergangenen Jahr Auftragsrekorde einfuhr – und die von Thomas Zellers Team technisch auf neue Beine gestellt wird.

Staaten stehen in der Pflicht, ihre Bürger zu schützen. Auch gegen Angriffe aus der Luft. Ist die Wüste Schauplatz des Geschehens, werden Mensch und Material besonders auf die Probe gestellt. Thomas Zeller, Programm-Manager im Segment Defense & Civil Systems, erinnert sich an den ersten Golfkrieg 1990. Damals scheiterten die Gasturbinen der US-Raketenabwehr an Wüstensand und Treibstoffnachschub: „Deshalb ersetzte das US-Militär sie durch unsere Dieselgeneratoren.“ Seit diesem Großauftrag des US-Militärausstatters Raytheon dauert das Folgegeschäft an – und gemeinsame Projekte stärken das Bündnis.

Raketenabwehrsystem Patriot

Auftragsrekorde für das Raketenabwehrsystem Patriot im Geschäftsjahr 2016. Die dafür von Jenoptik entwickelten elektrischen Generatoren sind überall dort einsetzbar, wo kurzzeitig eine hohe Leistung abgefordert wird – im militärischen aber auch zivilen Bereich.

Die Flugabwehr benötigt hohe Leistung für kurze Zeit

Beim Patriot-System, das Angriffe aus der Luft abwehrt, lagern die Raketen auf Lkw; dort werden sie im Einsatzfall aufgestellt und in Flugrichtung gedreht. Die hohe Leistung, auf die der Launcher exakt im kritischen Moment zugreifen muss, bezieht er von Dieselgeneratoren.

Unterforderung setzt dem Diesel zu

Um die Raketen bei Bedarf ohne Verzug starten zu können, laufen die Generatoren ständig bei geringer Standby-Leistung. Dabei setzen sie jedoch Ruß an, der ihre Leistung mindert und den Wartungsaufwand erhöht. Zudem ist selbst Diesel teuer, wenn ihn ein Hubschrauber in entlegene Gebiete fliegt. „Deshalb haben wir nach geeigneten Energiespeichern gesucht“, so Thomas Zeller. Fündig wurden sie beim altehrwürdigen Kondensator: Zwei Platten, getrennt durch ein isolierendes Dielektrikum, speichern Ladung im Stromkreis.

Chemiker haben die Kondensatoren geschrumpft

Neuartige Rezepturen für das Dielektrikum versprechen einst undenkbare Baugrößen. Jenoptik-Ingenieure haben die Kondensatoren in ihren elektrischen Parametern auf das Patriot-System abgestimmt und in ersten Prototypen verbaut. Das Hybridsystem verhindert Leerlauf beim Dieselgenerator: Bei Nennlast lädt der Diesel die Kondensatoren auf; die elektrische Energie wird für den Einsatzfall vorgehalten. Spritverbrauch und Abgase halbieren sich, der Wartungsaufwand sinkt deutlich.

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Dr. Lüder Hogrefe (links) koordiniert die deutschen Beiträge zum Patriot-Raketenabwehrsystem. Dazu zählt die Stromversorgung von Jenoptik, die vom Team um Thomas Zeller (rechts) technisch auf neue Beine gestellt wird.

Eine Idee erweist sich als aussichtsreich

„Die Technologie ist so überzeugend, dass Raytheon prüft, sie auf das gesamte Programm zu übernehmen“, berichtet Dr. Lüder Hogrefe, der die deutschen Beiträge zum Patriot-Programm koordiniert. Der Geschäftsführer der Raytheon Anschütz GmbH bescheinigt Jenoptik eine „Systemkompetenz und Eigeninitiative, mit der sie über die Rolle des Systemlieferanten hinauswächst.“ Derzeit testet die US Army den dritten Prototypen in Fort Bliss in Texas.

Der Hybridantrieb ist nicht nur der Wüste gewachsen

Thomas Zeller verweist auf Kundeninteresse von Skandinavien bis zur arabischen Welt und plant bereits weiter voraus: „Das Konzept eignet sich überall, wo kurzzeitig eine hohe Leistung abgefordert wird. Das können militärische Lasersysteme sein, aber auch zivile Anwendungen. Wir stehen ganz am Anfang einer vielversprechenden Technologie.“