tangente 1994 bis 2011

tangente 36: „Sammlungskarussell“ – Künstler der DDR

Jenoptik zeigte eine Auswahl der Bilder angesehener, in der DDR wirkender Künstler, welche das Unternehmen in den 90er Jahren für seinen eigenen Sammlungsbestand erwarb. Dabei standen drei der bekanntesten und die Kunstlandschaft der DDR prägenden Künstler im Vordergrund dieser Ausstellung: Gerhard Altenbourg, Harald Metzkes und Max Uhlig. Konrad Knebel und Dieter Goltzsche, ebenfalls kulturprägende Persönlichkeiten aus der DDR, beschließen diesen Blick in die künstlerische Vergangenheit.

tangente 35: Thomas Näther „Achromat“

Thomas Näther zeigte Werke mit zumeist alltäglichem Sujet, die mit Perspektive spielen. Raumsuggestion und -illusion stehen unter anderem im Zentrum seines künstlerischen Werkes. Er thematisiert außerdem das Verhältnis, das ein Bild zu seinem Darstellungsgegenstand haben kann. Farbflächen werden dabei so komponiert und auf die Leinwand aufgetragen, dass sie sich gerade so als Bildgegenstände zu erke­nnen geben. Doch sein Begriff von Kunst umfasst auch die Präsenz und Vielfältigkeit des Materials. Nicht nur Bildidee, Farbe und Perspektive, sondern auch der Einsatz diverser Darstellungsmittel und -techniken werden zu essentiellen Faktoren seiner Kunst.­

tangente 34: Peter Faustmann „Vom Licht gemalt“

Der seit 1992 selbständig tätige Fotograf hat Licht- und Farbreflexe in Bildern festgehalten, die alles andere als Schnappschüsse sind: Als Ergebnis akribischen Naturstudiums und geduldigen Beobachtens entstanden abstrakte Bilder, denen ihr einziger materieller Gegenstand – bewegte Wasseroberflächen – in den meisten Fällen nicht anzusehen ist. Der Physiker und Ingenieur hat viel Zeit damit verbracht, Witterungsbedingungen zu erfassen, unter denen sich auf der Wasseroberfläche Wellenlängen und -amplituden ergeben, die das in bestimmten Winkeln einfallende Sonnenlicht so reflektieren, dass Bilder entstehen, die weit über reine Naturfotografie hinausgehen. Peter Faustmann gelingt es, die Naturphänomene, die er aufnimmt, in den Bildern zu negieren. Er schafft Farbkompositionen, die das Erleben der Elemente in eine künstlerische Bildsprache übertragen.

tangente 33: rosalie „Ton der Farben“

Zum Abschluss des Jahres der Wissenschaft verwirklichte die Stuttgarter Künstlerin rosalie in Jena ein Gesamtkunstwerk, das mit Hilfe neuester Technik die künstlerischen Elemente Licht, Raum, Klang und Farbe auf besondere Weise vereint: „LUCE. Der Ton der Farben.“ Die von der Jenaer Firma MAZeT entwickelten und von Jenoptik gefertigten Farbsensoren ermöglichen eine bisher unerreichte Präzision der Wiedergabe der Farbenfülle des Regenbogens. Rosalie nutzt diese Technik, um eine Vision des Komponisten Alexander Skrjabin (1872-1915) umzusetzen und zu interpretieren. Das Projekt wurde von der Stadt Jena initiiert und wird von Jenoptik und der MAZet GmbH als Hauptsponsoren gefördert. Anlässlich dieses Ereignisses dokumentierte die Galerie der Jenoptik in einer Begleitausstellung „rosalie - Der Ton der Farben“ das lichtkünstlerische Schaffen rosalies.

http://www.rosalie.de/

tangente 32: Otto Piene und Elizabeth Goldring Piene

Otto Piene und Elizabeth Goldring Piene setzen sich – wenngleich auf sehr unterschiedliche Weise – beide explizit mit visuellen Erscheinungen im technischen Zeitalter auseinander. Elizabeth Goldrings wichtigstes Forschungsprojekt gilt der Visualisierung ihres eigenen Sehverlustes und der Entwicklung einer visuellen Sprache sowie einer „Seh-Maschine“ für Menschen, die blind oder sehbehindert sind.

Der seit mehr als 30 Jahren in den USA lebende Otto Piene hat angesichts rasanter technisch bedingter Entwicklungen bereits 1957 gemeinsam mit Heinz Mack die künstlerische Bewegung ZERO ins Leben gerufen. Er forderte den Neubeginn in der Malerei ausgehend von der Ebene „Null“ und unter Einbeziehung von Licht (& Schatten). Für Jenoptik konzipierte er einen Lichtraum, der in der Flüchtigkeit seiner visuellen Erscheinungen das Empfinden des Betrachters auf ähnliche Weise anspricht wie die flüchtige Schönheit von Naturereignissen. Filme und Dokumentationen begleiteten diesen erstmaligen gemeinsamen öffentlichen Auftritt des Künstlerpaares.

tangente 31: Heinz Mack „Lichtbilder“

Zum zweiten Mal stellte Heinz Mack in der Galerie der Jenoptik aus. 1999 zeigte er eine beispielhafte Auswahl von Skulpturen, Gemälden und Pastellen aus seinem großen und vielseitigen Oeuvre. Die 31. Ausstellung der Reihe Tangente stellte die Fotografie im Werk von Mack vor. Die Auswahl der Exponate stellte einen ganzen Fächer von Bildthemen und Werkphasen seines weiten Tätigkeitsfeldes dar, die alle um das eine zentrale Thema kreisen: das Licht und seine Immaterialität.

Mack setzt die Kamera ein, um Lichterscheinungen auf den metallischen Oberflächen seiner „Licht-Reliefs“ zu fassen. Die typischen Rasterungen, Spiralbewegungen und die organischem Wachstum angelehnten Strukturen sowie hochglanzpolierte Flächen aus seinem Objekt- und Skulpturenfundus bringen verschiedenste Lichtverläufe von unbestreitbar reizvoller Wirkung hervor. Den Bereich der rein experimentellen Fotografie betritt Mack mit Aufnahmen von prismatischen Brechungen des Lichts in Farbspektren.

Webseite Heinz Mack

tangente 30: Christoph Rihs „Testimonials“

Im Rahmen des Deutsch-Französischen Jahres „Rendezvous 1806 – 2006“ förderte Jenoptik 2007 gleich zwei künstlerische Projekte, die das Thema napoleonische Schlacht aufgreifen. Jenoptik zeigte die Ausstellung des in Weimar lebenden schweizerischen Künstlers Christoph Rihs „Testimonials“. Eine Serie von zehn großformatigen fotografischen Werken greift Motive der Landschaft um Jena-Cospeda, dem Schauplatz der Schlacht Napoleons gegen die Preußen, auf. Dieses Projekt bildete einen visuellen Kontrapunkt zu dem von der Stadt Jena organisierten und von der Jenoptik als Hauptsponsor geförderten Audiowalk der kanadischen Künstlerin Janet Cardiff, die den Teilnehmer per Soundtrack durch eben jenes geschichtsträchtige Areal schickt.

Christoph Rihs hat das Gelände erwandert und symbolträchtige Bildmotive – darunter uralte Bäume, stumme und doch beredte Geschichtszeugen – aufgenommen. Dabei berührte ihn, wie friedvolle Idylle mit dem Wissen um das damalige kriegerische Geschehen eigenwillig kontrastiert. Am Computer bearbeitet die Bilder zu zumeist konzentrisch angeordneten Bildmontagen, die sich dem Auge des Betrachters vielschichtig und facettenartig darbieten. In den festgehaltenen Momenten der „Testimonials“-Serie verdichtet sich also die Dynamik des Wahrnehmungs- und Reflektionsprozesses. Da es keine fotografierbaren menschlichen Zeitzeugen der napoleonischen Schlacht mehr gibt, rückt Rihs die Natur als ambivalente Metapher und Allegorie des Geschehens in den Mittelpunkt. Bäume erscheinen surreal beseelt und nehmen einen gequälten Ausdruck an. In einem aufwendigen Verfahren (Diasec) werden die Fotos mit einer Glasscheibe verschmolzen und diese wiederum auf eine Aluminiumplatte aufkaschiert. Dadurch erhalten die Bilder ihre besondere technische Brillanz und materielle Präsenz.

tangente 29: „Rodin zu Besuch in Jena“

Nicht nur als Sponsor, sondern auch als Mitveranstalter engagierte sich Jenoptik  für die große Rodin-Ausstellung, die in Jena im Stadtmuseum und in der Galerie der Jenoptik zu sehen war. Die Ausstellung in der Galerie machte auf zwei wichtige Werkstränge in der Zeit nach 1900 aufmerksam, als Rodin im bereits gereiften Alter von über 60 Jahren den Höhepunkt seines Ruhmes erreicht hatte.

tangente 28: „Kunst aus Licht - 10 Jahre tangente“

Als die Jenoptik ihren Firmensitz nach der Sanierung im November 1994 neu bezog, wurde er nach dem geistigen Vater der Unternehmenskultur in Jena „Ernst-Abbe-Hochhaus“ benannt. Den Einzug feierte Jenoptik mit der ersten hauseigenen Ausstellung der Reihe tangente, die bis heute fortgesetzt wird. Das tangente-Jubiläum feierte Jenoptik 2004 mit einer Ausstellung, die mit einer Vielfalt von Werken verschiedener Künstler viele Kunstaktivitäten der letzten 10 Jahre in Erinnerung ruft. Gezeigt wurden u. a. Werke der Klassiker Max Ackermann, Gerhard Altenbourg, Walter Dexel, Hermann Glöckner und Otto Hofmann. Das für Jenoptik wichtige Gebiet der Lichtkunst wurde mit Werken von Walter Giers, Dieter Jung, Werner Klotz, Brigitte Kowanz, Adolf Luther, Heinz Mack, Georges Rousse und Ludwig Wilding dokumentiert. Die zeitgenössische Kunst aus Sachsen und Thüringen war mit Werken von Karl-Heinz Appelt, Carlfriedrich Claus, Helge Leiberg, Gerd Mackensen, Gisela Richter und Gottfried Schüler vertreten.

tangente 27: Brigitte Kowanz „Licht, Dunkelheit, Bewegung“ 

Mit der Benennung der wesentlichen Momente ihrer Arbeit betitelte Brigitte Kowanz ihre Ausstellung in der Galerie der Jenoptik. Brigitte Kowanz nimmt unter den Bild-Licht-Künstlern, die in den vergangenen Jahren bei Jenoptik präsentiert wurden, eine bedeutende Rolle ein. In ihrer Arbeit strukturiert sie das Phänomen Licht und macht gleichzeitig eine unfassbare Vielfalt deutlich. Wichtige Medien im Umgang mit dem Thema sind zum einen das künstliche Licht, zum anderen reflektierende Materialien, deren Optik sich je nach Standpunkt ändert. Brigitte Kowanz benutzt das Licht zum Spiel mit den komplizierten Mechanismen moderner Kommunikation.

tangente 26: Magdalena Jetelova „Iceland Project“

Magdalena Jetelovás Ausstellung „Iceland Projects“ von 1992 ist dem transatlantischen Rücken gewidmet. Dieses geologische Schwellensystem erstreckt sich auf dem Boden der Ozeane. Island ist der einzige Ort, an dem ein zusammenhängendes rund 350 km langes Teilstück dieses ozeanischen Gebirges unmittelbar über der Wasseroberfläche zu sehen ist. Hier berühren sich die kontinentalen Platten Amerika und Europa-Afrika. Die Künstlerin machte es sich zusammen mit ihrem Team zur Aufgabe, diese zwischenkontinentale Schwelle in Landkarten auf dem Computer abzutragen. Danach zeichnete Magdalena Jetelová die Trennlinie zwischen den Kontinenten unmittelbar mit dem Laserstrahl als Lichtspur ins Gelände ein. Aus dem spannungsvollen Gegensatz zwischen urtümlicher Natur und der technischen Präzision des Lasers resultiert der Reiz dieser einzigartigen Land-Art. Man versteht ihr Projekt auch als Metapher für die politische und ideologische Teilung zwischen West und Ost zur Zeit des Kalten Krieges.

tangente 25: Rolf Walz - Manipulated Eyes

Die Arbeiten von Rolf Walz, der in Köln und Berlin lebt und arbeitet, aktivieren auf vielfältige Weise die (Selbst-)Wahrnehmungen ihrer Betrachter. Beispielsweise ein frei in den Raum gehängtes Farbglas (Mnpld Ys # 1, 1998) rahmt und manipuliert die Blicke des Betrachters und reflektiert zugleich dessen Bild. Leitmotive in Rolf Walz' Arbeit sind Wasser, Farbe und Licht. Mittels Spiegelung und Transparenz beeinflussen seine Rauminstallationen die visuelle Wahrnehmung. Der Durchblick durch ein Aquarium mit rotgefärbtem Wasser lässt etwa den dahinterliegenden Raum andersfarbig und in perspektivischer Verschiebung erscheinen. Zudem ergibt sich in Rolf Walz' Arbeiten immer ein Effekt der Selbstwahrnehmung: Im Spiegelbild wird der Betrachter Teil des Werkes, da er sich in dem jeweiligen Werk sieht.

tangente 24: Adolf Luther „Sehen ist schön“

Adolf Luther war ein künstlerischer Quereinsteiger. Vor dem Ersten Weltkrieg geboren und als Soldat im Zweiten Weltkrieg eingesetzt, arbeitete er in der Nachkriegszeit zunächst als Jurist. 1957 wandte sich der zuvor nebenher betriebenen Bildenden Kunst zu.

Schon seit langem war Licht der Gegenstand, den er mit künstlerischen Mitteln zu erforschen suchte. Dabei ging es ihm „nicht darum, die Untersuchungsergebnisse der wissenschaftlichen Optik anzuwenden, sondern informationskräftige Objekte zu machen“. Mit den klassischen bildnerischen Mitteln wie Malerei und Grafik war Luther dabei bald unzufrieden. Ziel war die Entmaterialisierung des künstlerischen Mediums. Das Spiegelobjekt von 1970 ist ein Beispiel für diese Bemühungen, das Licht selbst zum Kunstwerk zu machen. Das Bild entsteht vor dem Kunstwerk, und der Betrachter ist in verfremdeter Weise ein Teil davon.

tangente 23: Otto Hofmann „Malerbriefe aus Russland“

Farbenreiche Dorfszenarien, Blockhütten mit bunten Wäschestücken, immer wieder Kirchen mit Zwiebeltürmen, blassgrüne Felder und türkisfarbene Seen, daneben aber auch apokalyptisch verfärbte Hintergründe, Explosionen und Überreste zerstörter Häuser. Diese russischen Impressionen, Aquarellminiaturen von poetischer Schönheit, entstanden an der Kriegsfront des Zweiten Weltkrieges bei St. Petersburg und wurden in der 23. tangente in der Galerie der Jenoptik gezeigt.

Otto Hofmann, 1907 in Essen geboren und 1996 in Pompeiana (Italien) gestorben, verbrachte seine Kindheit und Jugend in Jena. Auch nach dem Studium am Dessauer Bauhaus zog es ihn wieder nach Thüringen zurück, bis er 1953 aus der DDR fliehen musste, da seine Kunst – ebenso wie bereits in der nationalsozialistischen Zeit – als subversiv geächtet wurde.

Die Ausstellung zeigte beinahe 50 Briefe des Bauhaus-Künstlers, die in der Zeit von 1941 bis 1944 entstanden und die der Künstler nach Deutschland sandte: Zum einen an seine erste Frau Johanna Hofmann-Stirnemann, die bis 1935 Direktorin des Jenaer Stadtmuseums war und zum anderen an seinen Berliner Künstlerkollegen Hans Thiemann.

In Schülerworkshops entstanden begleitend zu der Schau ca. 100 phantastische Arbeiten, die in einer eigenen Ausstellung anschließend gezeigt wurden.

tangente 22: „Walter Dexel in Jena“

Der Maler und Kunsthistoriker Walter Dexel lebte von 1915 bis 1928 – während der wichtigsten Periode seines künstlerischen Schaffens – in Jena. Die Ausstellung zeigte anhand von Werken, die sich in der Sammlung der Städtischen Museen befinden, wesentliche Schritte in Dexels künstlerischer Entwicklung und machte die Vielseitigkeit in seinem Schaffen sichtbar. Er gilt als einer der wenigen namhaften Konstruktivisten in Deutschland, die sich in erster Linie zur modernen Technik bekannten und auf einfache geometrische Formen beschränkten.

In Zeichnungen, Aquarellen, Hinterglasbildern und Gemälden findet man Hinweise auf die Jenaer Stadtlandschaft, auf industrielle oder pflanzliche Motive. Entwürfe für Innenräume, für Reklamelampen, Straßenrichtungsweiser und Leuchtsäulen weisen auf einen wesentlichen Aspekt von Dexels Schaffen hin. Mit hohem künstlerischen Anspruch sieht er jedes funktionale Objekt als singuläres Werk an. Selbst den zahlreichen typographisch gestalteten Einladungskarten und Klebeplakaten für den Kunstverein in Jena wendet er sich mit gleicher Sorgfalt zu. Walter Dexel wird in Jena zum Protagonisten des neuen Gestaltens, der neuen Typographie.


tangente 21 : Christa Winter „Floating Colours“

Eine ungewöhnliche Verbindung von Kunst und optischer Hochtechnologie gehen die Bildobjekte der Stuttgarter Künstlerin Christa Winter ein. „Wir begegnen in Winters Werken visuellen Phänomenen, die wir tatsächlich vorher noch nicht gekannt haben und uns neu sehen lehren.“ (Lothar Späth).

Mit ihrer hochspezialisierten Erforschung der ästhetischen Phänomene Licht und Farbe begann Winter mitte der 1990er Jahre, indem sie nicht nur Formen, sondern auch Materialien wie z. B. Fischsilber aus der Natur verwendete. Im nächsten Schritt beschäftigte sie sich mit der synthetischen Herstellung von Oberflächen, die sich durch Metallic-Effekte auflösen, die schweben, leuchten – und je nach Betrachterstandort – ihre Farbe wechseln. Ihr Farbmaterial, das alle Farben des Lichts in sich vereint, nennt die Künstlerin „floatingcolour“. Ihre intelligente Bildtechnologie reagiert auf den Betrachter. Die für unsere Zeit wichtige Erkenntnis, dass sich die Wahrnehmung je nach Standpunkt verändert, findet ihren ästhetischen Widerpart. Eine einzige Arbeit birgt viele verschiedene Farbkompositionen in sich, die alle Gültigkeit haben.

tangente 20: „Dialog Fernost - Wang Nanming, Gao Yingjin, Martin Neubert, Walter Sachs“

Diese Ausstellung bildete den Höhepunkt eines deutsch-chinesischen Künstleraustausches, für den Jenoptik das Patronat übernommen hatte. Die Thüringer Künstler Martin Neubert und Walter Sachs verbrachten im Frühsommer 2000 einen Monat in dem von Wang Nanming geleiteten internationalen Künstlerhaus Guangzhou (Kanton) und nahmen mit dort entstandenen Arbeiten an einer Gruppenausstellung in der Kunsthalle Guangzhou teil. Die Künstler Gao Yingjin und Wang Nanming kamen im Oktober 2000 zu ihrem vierwöchigen Gegenbesuch nach Weimar, wo sie bei Walter Sachs wohnten und im Atelierhaus Weimar gemeinsam mit den deutschen Künstlern arbeiteten. Für Jenoptik schufen die vier Künstler ein Gemeinschaftswerk. In einer mit Zement zusammengefügten Brikettmauer, die mit Bleirosen durchwachsen ist, sowie schwebenden Kalligraphieschnipseln und vergoldeten Fischskeletten verbinden sich mit leisem Humor und symbolischen Anspielungen typische Elemente aller vier Künstler in Gegensätzen von Schwer und Leicht, Irdisch und Schwebend, Dunkel und Hell.

tangente 19: Bettina Allamoda „Les artistes décorateurs“

Bei der 1994 bis 1996 vorgenommenen Neuordnung und Modernisierung des Optischen Museums in Jena wurden Relikte aus der 1978 entstandenen Inneneinrichtung überflüssig. Bettina Allamoda übernahm diese Gegenstände, die sonst auf dem Sperrmüll gelandet wären.

Die Künstlerin bezeichnet ihre Vorgehensweise als eine „Archäologie der Gegenwart“. Sie interessiert sich schon seit jeher für Technikmuseen, Weltausstellungen, kosmonautische Utopien und Science Fiction, aber auch für modernes Wohnen. Nach dem Prinzip der Collage unterwarf Bettina Allamoda in ihrer Jenaer Installation die Dekorationselemente einer Metamorphose, die deren ursprüngliche Herkunft nicht verleugnet. Bewusst spielt Bettina Allamoda mit der Ambivalenz ihrer selbst gefertigten Objekte zwischen reiner Kunst und Gebrauchsgegenstand, zwischen autonomer Skulptur und Möbelstück. Sie erläutert mit ihrer Arbeit, dass Künstler den Elfenbeinturm des einsamen Genies verlassen und sich ins Leben einmischen.

tangente 18: Georges Rousse „Licht-Metamorphosen“

In den Fotografien von Georges Rousse erleben wir Architektur als Ort des Optischen, als Erlebnisraum für das Auge. Sie zeigen das Ergebnis multimedialer Prozesse, in denen sich Architektur, Zeichnung, Skulptur und Malerei miteinander verbinden. Rousse betont: „Fotografie verstehe ich in erster Linie – entsprechend dem griechischen Ursprung des Begriffs – als Aufzeichnung des Lichts.“ Das Bild ist somit materielle Spur der immateriellen Qualitäten des Lichts.

Georges Rousse modifiziert herkömmliche Sichtweisen, indem er mit geometrisch konstruierten Bauelementen und kräftigen Farben in die Architektur eingreift. Das höchst konzentrierte Raumerlebnis wird am Ende durch die fotografische Linse auf die zweidimensionale Fläche zurückgeführt. Die menschliche Wahrnehmung wird durch die entstandenen fotografischen Kunstwerke in höchstem Maße herausgefordert, da virtuelle und reale Räume so miteinander verwoben scheinen, dass sie das Auge an manchen Stellen nicht mehr unterscheiden kann. Seine Fotoarbeiten, die im ehemaligen Jenaer Stromumspannwerk entstanden, wurden in der Jenoptik ausgestellt.

tangente 17: Werner Klotz „Exercise Room – Wahrnehmungsinstrumente und Skulpturen“

Im Zentrum stand bei Werner Klotz der Mensch und dessen Erleben des Sichtbaren zwischen Wirklichem und Vorgespiegeltem. Um in die Grundlagen des Sehens und der geistigen Verarbeitung optischer Information vorzudringen, hat sich seine Kunst von der rein darstellenden Funktion entfernt und nähert sich der experimentellen Vorgehensweise der Wissenschaft. Das Phänomen der Spiegelung, das bereits seit der Antike sinnbildlich für die Wahrnehmung der Wirklichkeit steht, beschäftigte Klotz in besonderer Weise. Werner Klotz´ Arbeit schärft das Bewusstsein dafür, dass das Spiegelbild trotz seiner exakten Wiedergabe stets nur Reflexion der Wirklichkeit ist, und dass wahrheitsgetreu erscheinende Bilder nicht immer der Orientierung in der Wirklichkeit dienen, sondern irreführen können. Dies gilt auch für die gefilmte Realität, die etwa in der Videoarbeit „Sysiphus´ Flight“ durch die Manipulation der Kamera schwindelerregende Formen annehmen kann.

tangente 16: „Schwarzweiss im Goldenen Zeitalter“

Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes mit dem Kunsthistorischen Seminar der Friedrich-Schiller-Universität Jena war in der Galerie der Jenoptik und in der Bibliothek des Kunsthistorischen Seminars ein über fast zwei Jahrhunderte angelegter Querschnitt durch die Kunst flämischer und holländischer Druckgraphik zu sehen. Ziel der Ausstellung war ein repräsentativer wie kurzweiliger Gang durch eine kunst- und kulturhistorisch revolutionäre Epoche, in der sich die Bildinhalte explosionsartig weiteten. Neben traditionellen Sujets der klassischen Mythologie, der christlich religiösen Heilsgeschichte und der Erfassung der Welt in allegorischen Konzepten entwickeln sich ganz neue Themen. Sie verdanken ihre Entstehung der spezifisch niederländischen Tendenz zum Realismus, dem sinnlichen Vergnügen an der detailreichen Beobachtung der sichtbaren Welt.

tangente 15 : Heinz Mack „Licht, Farbe, Bewegung“

Einen Querschnitt durch das Schaffen des international bekannten Malers und Bildhauers Heinz Mack zeigte diese Ausstellung in der Galerie der Jenoptik. Die ältesten Arbeiten der Ausstellung stammten noch aus der Zeit der gemeinsam mit Otto Piene gegründeten avantgardistischen ZERO-Bewegung. Der motorisch betriebene „Rotor für Lichtgitter“ 1967, stand für eine sehr typische Werkgruppe Macks, die besonders deutlich die Vorstellung eines dynamischen, bewegten, sich ständig verändernden Erscheinungsbildes veranschaulicht. Bei der Wahl des Materials seiner Reliefs und Skulpturen ist vor allem die Reflexionsfähigkeit im Licht wichtig, die plastisch strukturierte beziehungsweise glatt polierte Oberflächen zum Leben erweckt. „Die Oberflächen sind die Spiegel des Lichts – es sind kritische, faszinierende Spiegel; sie bringen die Wahrheit der Tiefe ans Licht, an den Tag“, schreibt Heinz Mack. Aus neuerer Zeit stammt Macks Malerei, die er seit Beginn der 1990er Jahre wieder mit großer Freude betreibt. In seinen „chromatischen Konstellationen“ wurden Farbflächen rhythmisiert und dynamisiert.

tangente 14: Walter Giers „Electronic Art“

Eine ausgesprochene Vielseitigkeit, unkonventionelle Wege und ein erfinderischer Umgang mit der Technik zeichnen das Schaffen von Walter Giers aus, der zu den Pionieren der Medienkunst zählt. Für den Jenaer Marktplatz konzipierte er die Installation „Fensterguckerin“ mit TV-Monitoren. Aus mehreren Fenstern gleichzeitig betrachtete eine Frau das Geschehen auf dem Platz. Obgleich es sich nur um ein Video handelt, fühlte sich der Passant unweigerlich beobachtet, da das Unterbewusstsein nicht sofort zwischen realen und virtuellen Personen unterscheidet.

In der Galerie der Jenoptik zeigte der Künstler einen meditativeren Aspekt seines Schaffens. Speziell für Jena entstanden die Objekte aus Acrylglas, Electronik und Holz, in denen Giers seine bedeutensten Entwicklungen auf dem Gebiet der Lichtkunst exemplarisch zur Anwendung bringt. Teils autonom und teils interaktiv auf Geräusche reagierend, vollziehen die Objekte vor den Augen des Betrachters einen steten visuellen Wandel, der einem Zufallsgenerator folgt und deshalb nie seine Faszination verliert.

tangente 13: István Nádler

Zum „Jahr der ungarischen Kultur in Jena 1998“ veranstalteten Jenoptik und der Jenaer Kunstverein eine Doppelausstellung des ungarischen Malers István Nádler. Nádler, dessen Werke sich bereits im Besitz internationaler Museen befinden, gilt als einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler Ungarns.

Durch spannungsvolle Synthesen gelingt es Nádler, die abstrakte Kunst stets mit neuem Leben zu erfüllen. So hat sich seine Malerei von den 60er Jahren bis heute fortwährend verändert und entwickelt. Neben den rationalen, geometrischen Elementen finden wir seit den 80er Jahren einen malerischen Duktus, Sinnlichkeit und Pathos. Der Künstler verbindet in seinen Bildern Urformen der Kulturgeschichte mit dem subjektiven, zeitgebundenen Erleben und den Gefühlswerten der Farbe. So sind seine geheimnisvoll wirkenden Bilder einerseits persönliche Psychogramme, andererseits sprechen sie das kollektive Bewusstsein an. Stets erprobt er neu auf der Leinwand, wie Linien und Farbflächen „Noch-Nicht-Gesagtes“ ausdrücken können.

tangente 12: Helge Leiberg „Tanzfluß“

Das wesentliche Element von Leibergs Malerei und Zeichnung ist der spontane Schwung des Pinselstrichs. Auf immer neue Weise beschreibt er die Figur in Bewegung, während er gleichzeitig auf das direkte Abbilden verzichtet. Er reduziert sie auf eine einprägsame Chiffre, mit der er auf die Imagination des Betrachters bauen kann. Wie die Buchstaben eines Alphabets sind seine Figuren schlüssig aufeinander bezogen und in ihrem Einsatz wandelbar. Beweglich, rhythmisch, fließend, sind sie Spuren des permanenten Lebens. Der Mensch agiert bei Helge Leiberg als Individuum, nicht etwa als Teil einer formierten, geordneten Gruppe. Stets in Aktion, durchdrungen vom (Über-)Lebenswillen und niemals zur Ruhe kommend, lehnt er sich gegen jegliche Erstarrung auf. Liebe und Eros sind wichtige Impulsgeber für den Tanz des Lebens, der immer auch ein Tanz des Todes ist.

tangente 11: Hermann Glöckner

Die Galerie der Jenoptik zeigte eine Einzelausstellung von Hermann Glöckner, dem bedeutendsten in der DDR lebenden Vertreter der konstruktiven Kunst. Die Ausstellung war Teil eines Projektes, das unter dem Titel „Souveräne Wege 1949 – 1989 Sechs Künstler in der DDR“ an drei verschiedenen Orten in Jena stattfand. Der große Außenseiter orientierte sich weiterhin an den Vorkriegstraditionen der Moderne, die er konsequent fortführte und mit neuen Bildmöglichkeiten bereicherte. In Anlehnung an die Bauhausmeister nahm er experimentelle Materialanalysen vor, erprobte auf überzeugende Weise diverse Druckverfahren und erfand originelle Schablonierungsmethoden und Faltungssysteme. Der Hang zur Geometrie, zum Konstruktiven, schloss bei ihm, der der Intuition ebenso wie der Ratio folgte, das Zufällige und das Malerische nicht aus.

tangente 10: „Die sichtbare Welt – Niederländische Zeichnungen des 16. und 17. Jahrhunderts“ 

Im Rahmen des Jahres der Niederländischen Kultur in Jena 1997 fand in der Galerie der Jenoptik erneut eine Ausstellung graphischer Werke des 16. und 17. Jahrhunderts statt. Wie keine Epoche zuvor, wurde die Kunst dieser Zeit in den Niederlanden geprägt von einer freiheitlich orientierten sich auch in den anderen Regionen und späteren Epochen an der Kunst des niederländischen „Goldenen Zeitalters“, an ihrer beispielhaft sinnlichen Erkundung der Welt, ihrer Wiedergabe von Natur, Mensch, Architektur und Gegenständen im Reflex des Lichtes. Es sind keine „Momentaufnahmen“, sondern stets umfassende Weltdeutungen, die dem Betrachter unterschiedliche Ebenen der Interpretation offenbaren. Für Jena war daneben von Interesse, dass sich das Streben der damaligen Menschen nach Aneignung der sichtbaren Welt nicht nur in der Kunst, sondern auch in naturwissenschaftlicher Erkenntnis und technischer Erfindung niederschlug. Es ist wohl kein Zufall, dass die ersten Linsenfernrohre um 1600 in Holland hergestellt wurden.

tangente 9: Dieter Jung „Bewegte Räume – Holographie“

Dieter Jung fasziniert die Möglichkeit, mit der holographischen Struktur Licht zu brechen und optische Durchdringungsmuster zu erhalten, die sich im dreidimensionalen Wahrnehmungsraum des Betrachters entfalten. Im Grunde geht es ihm um Fragen unserer Wahrnehmung und ihrer Bedingungen. Die Holographie zeigt, dass die Phänomene Farbe und Raum immateriell sind und sich, ausgelöst durch die Lichtstrahlung, erst im menschlichen Bewusstsein konstituieren.

Das Hologramm etabliert als technisches Medium eine reflexive Struktur zwischen dem Betrachter und dem Gegenstand seiner Wahrnehmung. Die Wirkung ist abhängig von der Eigenbewegung des Betrachters im Raum. Mit seiner Bewegung entstehen neue, andere Räume, die sich im Moment scheinbar in einem Bild vergegenwärtigen, um sich sofort wiederaufzulösen in neue Bilder.

tangente 8: Horst Peter Meyer „Individuelle Zeichen“

Dem Weimarer Künstler Horst Peter Meyer widmete die Jenoptik im Jahr seines 50. Geburtstages eine Einzelausstellung in ihrer Galerie. Anstoß für dieses Ereignis gab die 1996 in unmittelbarer Nähe entstandene Reliefarbeit Meyers am neuen Gebäude des Chirurgischen Nothilfezentrums der Friedrich-Schiller-Universität. Die engelähnliche Figur mit dem Titel „NotWerk. Schneller Rettung Flügelschlag.“ lud dazu ein, weitere Arbeiten zu präsentieren und den Dialog mit dem Meyer´schen Engel zu vertiefen.

Die Jenoptik-Ausstellung gab Einblick in Meyers assoziatives Arbeiten, das in einem stetigen Prozess wiedererscheinende Formen abwandelt und in andere Kontexte bringt. Er hat seine eigene visuelle Sprache entwickelt, die den Betrachter in konzentrierten schwarz-weißen Tuschezeichnungen sowie Malereien von sinnlicher Farbkraft in ihren Bann zieht.

tangente 7: Heike Rambow

Am Beispiel von Arbeiten der Heilbronner Grafik-Designerin Heike Rambow zeigte sich das Zusammenspiel von freier und angewandter Kunst. Die Erforschung des Elementaren, d. h. das Studium der Spezifik von Farbe, Form und Material, ist Voraussetzung für Heike Rambows freie sowie praktisch angewandte Gestaltung. Sie hat eine „visuelle Sprache“ entwickelt, deren wiederkehrende Elemente Kreis oder Viereck – vergleichbar mit einer Grammatik – Zusammenhänge und Leitgedanken in den meist mehrteiligen Kompositionen schaffen. Der Betrachter kann aber auch seine eigene Geschichte ausdenken. Der Leitsatz Heike Rambows lautet: „Konzeptionell denken, ohne das Spielen zu verlernen. Durch Spielen entdeckt man Neues“.

tangente 6: „Augenblicke von Dürer bis Daumier – Graphik aus dem optischen Museum“

In den Ausstellungen der tangente-Reihe bildete diese Werkzusammenstellung eine Besonderheit, da die gezeigten Stücke nicht der Gegenwart angehörten, sondern Zeugnisse der Geschichte sind. Allein der enge motivische Bezug der Grafiksammlung des Optischen Museums zu optischen Instrumenten wie Brillen, Mikroskopen, Ferngläsern etc. lud förmlich zu einer Ausnahme ein. Das Auge und alles, was sich mit diesem Sinnesorgan verbindet, was mit seiner Beeinflussung, Unterstützung oder Täuschung zu tun hat, ist untrennbarer Bestandteil von Kunst. Erst im Auge des Betrachters wird das Kunstwerk Wirklichkeit.

Seit der Renaissance erobern Künstler die sichtbare Welt und ihre Gesetzmäßigkeiten. Malerei und Graphik feiern das „Sehen“ bildhaft und liefern Bestätigung für unsere Anschauung der Natur und unsere Sichtweise der Wirklichkeit. Der Blick auf die Tradition schärft nicht zuletzt den Blick für die Gegenwart. Im Kontrast zum Historischen wird deutlich, wie moderne optische Technik mit unserer heutigen Wahrnehmung im Wechselspiel steht- und wie sich der technologische „state of the art“ in der zeitgenössischen Kunst widerspiegelt.

tangente 5: Olaf Nicolai „Interieur/Landschaft“

Diese Ausstellung war Teil eines Kunstereignisses, das vom Jenaer Romantikerhaus, dem Jenaer Kunstverein und der Jenoptik veranstaltet wurde. Unter dem Titel „200 Jahre Jenaer Romantik. Fragmente“ wurden an drei verschiedenen Orten Kunstwerke gezeigt. Olaf Nicolais Ausstellung „Interieur/Landschaft“ in der Galerie der Jenoptik war auf den technisch anmutenden Raum abgestimmt. Sie reflektierte das Verhältnis Mensch-Natur-Technik und beschäftigte sich mit der Frage, wie Natur in Kultur verwandelt wird. Dies erscheint zunächst paradox, da man vor allem die gefühlsbetonte Rezeption der Romantik kennt und weniger die Technik, wie Gefühle erzeugt werden. Doch der Einfluss, den die Ausdifferenzierung der Naturwissenschaften und die zunehmende Technisierung auf die Romantiker ausübte, ist unverkennbar. Nicolai beschäftigt sich insbesondere mit den Techniken der romantischen Maler Philipp Otto Runge und Caspar David Friedrich. Ihr Beispiel zeigt, dass die Romantik im Emotionalen über hochentwickelte und effektive Vermittlungsmechanismen verfügte, deren Strukturen noch im Computerzeitalter aktuell sind. Sie bietet daher Anknüpfungspunkte für den scharfen Beobachter unserer Zeit, dem es um die Erkenntnis über den Prozess der Kultur geht.

tangente 4: Ludwig Wilding „Scheinräume und Scheinbewegung“

Für den emeritierten Professor der Hamburger Hochschule für Bildende Kunst, Ludwig Wilding, ist künstlerisches Arbeiten vor allem mit „Seh-Forschung“ gleichzusetzen. Ein Künstler ist nach seiner Auffassung ein Erfinder. Hierbei hält er sich an die schöpferischen Grundsätze, die bereits sein Lehrer Willi Baumeister seinen Studenten mit auf den Weg gegeben hat: „Geht zurück zu den Elementen“ und „Sucht Euch ein freies Feld, auf dem noch keiner geackert hat.“. In der Ausstellung der Jenoptik wurden Ergebnisse innovativer Methoden gezeigt, die Wilding seit den 1960er Jahren entwickelt hat. Es handelte sich vor allem um Objekte mit Scheinbewegungen sowie um Bilder mit Scheinräumen. Neuere Arbeiten beschäftigen sich zudem mit der Chaos-Theorie und der Fraktalen Geometrie.

tangente 3: „Landschaft/Landscape“

Mit dem Thema „Landschaften“ wurde ein verbindendes Element zwischen Thüringen und dem Gastland des Jenaer Kunstvereins 1995 hergestellt. Seit der Romantik ist die Landschaft in Norwegen sowie in Thüringen das wohl häufigste Bildmotiv. Nach einer mehr als 200-jährigen Tradition kommt es bei heutigen Künstlern auf unterschiedliche Weise zur Anwendung: romantisch-meditativ, humoristisch, geheimnisvoll-mythisch, abstrahierend, phantastisch, expressiv, poetisch, minimalistisch...

Aus Norwegen waren die Künstler Nina Bang, Eli Hovdenak, Terje Risbergund Sidsel Westbo vertreten; aus Thüringen Alfred Trautgott Mörsted, Ullrich Panndorf, Gisela Richter und Gottfried Schlüter. Die ausgestellten Arbeiten waren Graphiken, Zeichnungen und Malereien auf Papier.

tangente 2: Emanuel Raab „Mensch-Bilder“

Der in Wiesbaden lebende Medienkünstler Emanuel Raab stellte in der Galerie der Jenoptik großformatige Licht-Arbeiten aus dem Zyklus „Mensch-Bilder“ aus. Jenoptik eröffnete mit dieser zweiten Ausstellung im eigenen Haus einen weiteren Schwerpunkt. Dieser soll einer Kunst gewidmet sein, die sich nicht nur mit Aspekten unseres hochtechnologischen Zeitalters auseinandersetzt, sondern auch speziell mit dem Medium „Licht“. Das Beispiel Emanuel Raab zeigt, wie in den Medien Video, Fotografie und digitales Imaging neue künstlerische Möglichkeiten gefunden werden können. Gleichzeitig werden in den ausgestellten Arbeiten die Gefahren der zunehmenden Medialisierung der Gesellschaft kritisch beleuchtet.

tangente 1: „Neun Thüringer Künstler“

Die erste tangente-Ausstellung verkörperte bereits eines der Ziele, die sich Jenoptik mit ihren Ausstellungen auch in der Zukunft stellte: Einblick in die Kunst Thüringens. Ein geographisch abgestecktes Gebiet ist heute nicht mehr mit einem bestimmten Regionalstil zu verknüpfen, obgleich die Thüringer Malerei einige Tendenzen wie etwa die starke Vorliebe für das „Landschaftliche“ im weitestem Sinne sowie eine Verwurzelung im Graphischen bestehen. Eine Auswahl von neun Künstlern zeigte einen breiten Fächer künstlerischer Sprache. Axel Bertram, Eberhard Dietzsch, Roger Bonnard, Barbara Toch, Gerd Mackensen, Horst Peter Meyer, Karl-Heinz Appelt, Volkmar Kühn und Falko Bärenwald stellten Werke aus, die bewusst ausgewählt wurden und im Schaffensprozess eng zusammenstehen.