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10. tangente digital art: „Exuviae“ von Robert Seidel

Frank-Stella-Skulptur wird zu digitaler Videokunst: Vom 29. Oktober bis 15. November zeigt der Berliner Künstler Robert Seidel eine künstlerische Arbeit an der Fassade des Jenoptik-Hochhauses, die mit Frank Stellas Skulptur „Newburgh“ entsteht. Das Kunstprojekt ist Teil des Events „Stella ins Licht“ am Abend des 29. Oktober anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Jenaer Frank-Stella-Skulpturenparks.

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Robert Seidel nennt seine Arbeit „Exuviae“. In der Zoologie beschreibt der Begriff die abgestreiften Häute von Tieren, etwa von Insekten oder Schlangen – leere, fragile Hüllen, die deren Körper hinter sich lassen. Eine verwandte Begrifflichkeit kennt der Metallguss: die „verlorene Form“, jene Schale, die zerbrochen werden muss, damit die Skulptur aus ihr hervorgehen kann. Sie liegt dem Modell, dem Ausgangskörper, vollständig an und wird doch nie Teil von ihm. Ihre Aufgabe endet in dem Augenblick, in dem sie gelingt.

In Anlehnung daran hüllt Robert Seidel die vier Stella-Skulpturen am 29. Oktober in Licht, die daraus entstehenden Effekte (der zentralen Skulptur Newburgh) werden auf das Jenoptik-Hochhaus projiziert. Das Lichtbild legt sich dabei um die Skulptur wie eine Haut, die noch in derselben Nacht abgestreift wird – eine Häutung, zu der der Stahl aus eigener Kraft nicht fähig ist. Kein fremdes visuelles Vokabular wird eingetragen, keine Geometrie nachgeahmt, keine Oberfläche verändert. Zu keinem Zeitpunkt wird die Projektion wesentlicher Teil der Skulptur; sie bleibt, was die verlorene Form gewesen ist: Hülle, die anliegt, ohne eins zu werden.

Die Projektion wird aus technischen Gründen aufgezeichnet und vom 29. Oktober bis 15. November jeden Abend zwischen 18 und 22 Uhr an den beiden Fassaden des Ernst-Abbe-Hochhauses zu sehen sein.

Über Robert Seidel

Robert Seidel (geboren 1977) stammt aus Jena. Er begann ein Biologie-Studium, wechselte an die Bauhaus-Universität Weimar und schloss sein Studium dort mit einem Diplom in Mediengestaltung ab. Nach großen Kunstprojekten, u.a. in Hongkong, Frankreich, Südkorea und den USA, trifft Robert Seidel mit seiner Kunst in Jena auf den Kontext von Technologie und Optik sowie großflächiger Projektionsmöglichkeit im öffentlichen Raum. Schon 2023 brachte er mit den Experimentalvideos veneer #1 und veneer #2 Kompositionen von virtuellen Skulpturen und Strukturen auf die historische Fassade. Die Strukturen seiner neuen Arbeit werden nun nicht virtuell sein, sondern von den Licht-Formen der Stella-Skulptur bestimmt.

Frank Stellas Wirken in Jena inspirierten Robert Seidel: „Die umfangreiche Stella-Ausstellung ‚Heinrich von Kleist‘ in Jena im Jahr 2001 hatte großen Einfluss auf meine frühen Experimente mit 3D-Software. Sie hat mir gezeigt, dass das Digitale keine inhärente Ordnung, keine Grenzen durch Physik oder Logik haben muss. Während Stellas Werkstatt einen erstarrten Moment dieser Verfahren schuf, habe ich mich in meinen Filmen, Installationen und Projektionen dem Festhalten dieses Werdens, dieses kontinuierlichen Veränderns von Form, gewidmet.“ 25 Jahre später treffen feste Form und vergängliche Projektion aufeinander.

Das Event „Stella ins Licht“ am 29. Oktober ab 18 Uhr

Frank Stella starb im Mai 2024. In Jena bleiben die vier Güsse: „Garrison, „Newburgh“, „Peekskill“ und „Bear Mountain“ auf dem Ernst-Abbe-Platz, die sowohl an einen der wegweisenden Künstler des 20. Jahrhunderts als auch an die große Transformation des Platzes und der ganzen Stadt Jena während der 1990er Jahre erinnern. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Skulpturen auf dem Ernst-Abbe-Platz laden Kunstschaffende, Kunstfreunde, Kulturförderer, die JENOPTIK AG, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Stadt Jena gemeinsam die Jenaer Bevölkerung zu einem Aktionsabend ein.

Zur Jenoptik-Reihe „tangente digital art“

Die hauseigenen Kunstausstellungen der Jenoptik gibt es bereits seit 1996. Sie bieten unter dem Namen „tangente“ Berührungspunkte von Wirtschaft, Technologie, Kunst, Licht und Wahrnehmung. 2022 wandelte Jenoptik die Ausstellungsreihe zur „tangente digital art“, die internationale und nationale digitale Kunst am Hochhaus und Hauptsitz der Jenoptik zeigt, und holte damit das Kunstengagement in den öffentlichen Raum. Projiziert wird jeweils in einer Größe von 960 bzw. 625 m2 an zwei Fassaden des Hochhauses im Zentrum der Lichtstadt Jena. „Exuviae“ ist bereits die zehnte Ausstellung der tangente digital art.

Für die Umsetzung danken wir neben dem Künstler auch unseren Partnern, die die Weiterentwicklung unseres Kunst-Engagements begleiten und unterstützen: JenaKultur, der Galerie Huber & Treff für die Kuration unserer Ausstellungen und der Laser Event Company für die Betreuung der Videomapping-Anlage.

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